Viele Eltern erleben nach einer ADHS-Diagnose zunächst Erleichterung und Entlastung von Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen. Gleichzeitig fühlen sie sich weiter allein mit den täglichen Herausforderungen.
In der Gruppe entsteht etwas, das im Alltag oft fehlt. Das Gefühl, verstanden, unterstützt und nicht bewertet zu werden. Wenn andere Eltern von ähnlichen Situationen erzählen, verlieren Scham und Selbstzweifel an Gewicht.
Man erkennt, dass viele Schwierigkeiten nicht Ausdruck elterlichen Versagens sind, sondern aus der besonderen Dynamik zwischen ADHS, Stress und Beziehung entstehen.
Oft entwickeln sich gerade aus diesem gemeinsamen Nachdenken neue Ideen und gegenseitige Unterstützung für Eltern.
Die Elterngruppe richtet sich an Eltern von Kindern mit ADHS, die sich im Familienalltag mehr Sicherheit, weniger Konflikte und einen besseren Umgang mit herausfordernden Situationen wünschen. Die Gruppe verbindet moderne Erkenntnisse der mentalisierungsbasierten Therapie mit psychoedukativen Elementen und dem Austausch mit anderen Eltern.
Wenn das Familienleben an seine Grenzen kommt
Viele Eltern von Kindern mit ADHS kennen das Gefühl, ständig unter Spannung zu stehen.
Der Tag beginnt mit Diskussionen und endet mit Erschöpfung. Hausaufgaben werden zum täglichen Kampf, Absprachen scheinen nach wenigen Minuten vergessen und selbst kleine Konflikte können plötzlich eskalieren. Oft entstehen Schuldgefühle.
Bin ich zu streng? Zu nachgiebig? Mache ich etwas falsch?
Auch Kinder leiden unter diesen Situationen. Sie erleben sich häufig als „zu laut“, „zu unruhig“ oder „nicht richtig“, obwohl sie sich nichts sehnlicher wünschen als dazuzugehören und verstanden zu werden.
Was ist Mentalisieren und warum hilft es bei ADHS?
Mentalisieren bedeutet, sich selbst und andere als Menschen mit Gedanken, Gefühlen, Bedürfnissen und Absichten wahrnehmen und über die eigene Position sowie die des anderen nachdenken zu können. Unter Stress verlieren wir diese Fähigkeit zunehmend. Das gilt für Kinder ebenso wie für Erwachsene.
Gerade im Familienalltag mit ADHS entstehen häufig Situationen, in denen niemand mehr richtig versteht, wie alles so schnell eskalieren konnte und was die Auslöser waren. Aus kleinen Konflikten entstehen heftige Auseinandersetzungen. Alle fühlen sich missverstanden.
In der ADHS-Elterngruppe üben wir gemeinsam, innezuhalten und wieder neugierig zu werden.
Wir verwerfen Gedanken wie:
“Wie kann mein Kind jetzt schon wieder so schlimm sein?”
sondern versuchen zu überlegen:
“Was könnte gerade in meinem Kind vorgehen – und was geschieht gleichzeitig in mir? Wie könnten wir unseren Konflikt lösen und wieder in einen guten Kontakt miteinander kommen?”
Dieser Perspektivwechsel ist die Grundlage der Mentalisierung und ermöglicht einen regulierten und selbstbestimmten Umgang mit Ihrem ADHS-Kind.
So wird Ihre Entwicklung zu ADHS-kompetenten Eltern zur ADHS-Therapie für Ihr Kind.